- Es ist wahrscheinlich, daß Nordenstadt mehr als 2000
Jahre alt ist.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 950. In dieser Urkunde
heißt es , daß König Otto I (912-973) dem Vasallen seines Sohnes Ludolf, dem
Grafen Gerung, sechs"Hufen" Land in den Gemarkungen Wallau,
Breckenheim und Nordenstadt schenkte. Nordenstadt ist in Wirklichkeit jedoch
sehr viel älter. Es bestand schon zur Zeit der Franken als Dorfschaft und es ist
durchaus möglich, daß Nordenstadt als kleine Siedlung bereits seit der
Keltenzeit bestand. Im Jahre 950 befand sich Nordenstadt auf einem gesegneten
Stück Erde im "Königssundergau", das sich die fränkischen Könige als
besonderen Besitz vorbehalten hatten. Im Laufe der zeit wechselte der Name
öfters. Aus Norminstatt wurden "Nordinstatt" und "Norstat",
später "Norderstadt" und ab 1145 Nordenstadt. Frei übersetzen läßt
sich Nordenstadt vermutlich mit "die Wohnstätte des Normin oder
Norin".
- Der Dreißigjährige Krieg unterbrach die gute
Entwicklung der Gemeinde.
Im Jahre 1620 zogen die ersten feindlichen Heere durch Nordenstadt. Es verging
kaum ein Jahr, in dem die Bewohner nicht durch neue Einquartierungen belastet
wurden. Die Soldaten führten sich nicht als Gäste sondern als Herren auf. Sie
leerten Küchen, Scheunen und Keller, trieben das Vieh aus den Ställen und nahmen
Wertgegenstände mit. Zu allen Untaten zündeten sie auch noch Höfe und Scheunen
an. Der Krieg, die Pest und die Brände brachten es mit sich, daß in Nordenstadt
1635 nur noch 46, im Jahre 1637 nur 70 Einwohner lebten. In den Jahren 1635-37
war kein einziger Halm geerntet worden. 1641 betrug der ganze Viehbestand nur 28
Ochsen und 10 Kühe. In der Gemeinde konnten nur 37 Häuser bewohnt werden, 46
Anwesen waren völlig verwüstet. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen
nur wenige Nordenstadter in ihr Dorf zurück. Die meisten hatten das Leben
verloren.
- Im ersten Teil des 18. Jahrhunderts schienen die Kriegswirren vergessen
zu sein.
Die Bauern kultivierten die verwüsteten Felder, bauten ihre Höfe wieder auf und
kamen durch Fleiß wieder zu einem gewissen Wohlstand. Eine Ausnahme bildete
lediglich das Jahr 1735 in dem die unter Kaiser Karl dem IV. beim Reichstag
gegen Frankreich durchziehenden Truppen einquatiert wurden. Im Jahr 1730 lebten
in Nordenstadt 575 Bürger. Erneute Einquartierung gab es beim Ersten
Schlesischen Krieg unter Friedrich II. von Preußen gegen Österreich im Jahre
1742. Beim Rückzug französischer Truppen an den Rhein folgten als Nachzügler
" Marodeure und anderes Gesindel" die eine breite Spur von Raub und
Plünderung hinter sich ließen.
- Durch die französische Revolution (1789-1795) kamen zahlreiche Emigranten ins Ländchen.
Im Jahre 1792 wurden im französisch-österreichischen Krieg Truppen
einquartiert. Später kamen französische Soldaten, bis 1801 Frieden geschlossen
wurde. In der Nachkriegszeit machten Abenteurer und Deserteure die Straßen
unsicher, so daß "Bürgerwachen" aufgestellt wurden, die jeweils 2 Mann
vor Miternacht und 2 Mann danach auf den Straßen wachten.
- Das Jahr 1848 brachte erneut einen Umschwung.
Die sogenannte "Märzrevolution" brach mit so manchem herzoglichen
Privileg. 1849 löste der Bürgermeister den Schultheißen ab. An die Stelle der
alten Feldmaße "Ruthe" und "Schuh" trat das
"Meter" als Längenmaß. Nach dem Friedensschluß des Preußischen Krieges
wurde das Herzogtum Nassau und somit auch Nordenstadt preußisch.
Die Nordenstadter Kirche besteht bereits seit der Ersterwähnung des Dorfes im
Jahre 950.
Sie wurde mehrmals verwüstet, abgebrochen und brannte aus , wurde aber immer
wieder aufgebaut und erweitert- zuletzt 1738. Der Kirchhof wurde 1820 erweitert
und der Friedhof wurde 1855 neu angelegt.
- Die Gemeinde Nordenstadt hat sich erheblich gewandelt.
Aus dem Bauerndorf wurde eine Wohn-und Gewerbegemeinde. Die günstige Lage an
zwei Autobahnen und die Nähe zum Rhein-Main Flughafen begünstigte die dynamische
Entwicklung. Die erhebliche Vergrößerung des Steueraufkommens erlaubte die
Entwicklung einer modernen Infrastruktur. Ab 1977 ist Nordenstadt zu Wiesbaden
eingemeindet.
|